Was sind KMR-Stoffe?
KMR steht für karzinogene, mutagene und reproduktionstoxische Stoffe. Dabei handelt es sich um Chemikalien, die schwere Schäden für die menschliche Gesundheit verursachen können, wie Krebs, genetische Veränderungen oder Auswirkungen auf die Fortpflanzung. Da für viele KMR-Stoffe keine eindeutig sicheren Expositionsgrenzwerte existieren, können bereits sehr geringe Mengen mit erhöhten Risiken verbunden sein. Häufige Beispiele sind bestimmte Lösungsmittel, Schwermetalle und Arzneimittel, wobei je nach Einsatzgebiet viele unterschiedliche Stoffarten vorkommen.
Warum sind KMR-Stoffe besonders gefährlich?
Die mit KMR-Stoffen verbundenen Risiken sind häufig langfristiger Natur. Wirkungen wie Krebs oder genetische Schäden können sich erst nach vielen Jahren entwickeln und sind selten unmittelbar nach der Exposition erkennbar. Mutagene Stoffe können das genetische Material verändern, was zu vererbbaren Schäden führen kann, während reproduktionstoxische Stoffe die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder die Entwicklung des Fötus bei Schwangeren negativ beeinflussen können. Diese langfristigen und potenziell schwerwiegenden Auswirkungen sind der Hauptgrund dafür, dass KMR-Stoffe mit deutlich größerer Vorsicht behandelt werden als viele andere Chemikalien.
Gesetzgebung und Regulierung
Da bereits niedrige Expositionen schädlich sein können, unterliegen KMR-Stoffe in Deutschland speziellen gesetzlichen Regelungen. Zentrale Grundlage ist die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV), die Anforderungen an Einstufung, Kennzeichnung und den sicheren Umgang mit Gefahrstoffen festlegt und die europäischen Vorgaben in deutsches Recht umsetzt
Die Verordnung schreibt außerdem vor, dass geprüft werden muss, ob ein KMR-Stoff durch einen weniger gefährlichen Ersatzstoff ersetzt werden kann, sofern dies technisch möglich ist.
Was bedeutet das praktisch am Arbeitsplatz?
Beim Einsatz von KMR-Stoffen sind Arbeitgeber verpflichtet, besondere Schutzmaßnahmen anzuwenden, mit dem Ziel, die Exposition so weit wie möglich zu reduzieren – vorzugsweise durch technische Lösungen. Soweit möglich sollte die Handhabung in geschlossenen Systemen erfolgen. Ist dies nicht realisierbar, müssen Maßnahmen wie lokale Absaugung, persönliche Schutzausrüstung (z. B. Handschuhe, Schutzkleidung und Atemschutz), das Vermeiden von Verschütten und Verspritzen sowie die regelmäßige Reinigung von Arbeitsflächen umgesetzt werden. Verschüttete Stoffe und Abfälle sind sicher zu sammeln und in deutlich gekennzeichneten Behältern zu lagern. Schriftliche Arbeitsanweisungen müssen verfügbar sein, und falls eine Substitution nicht möglich ist, muss dokumentiert werden, warum ein Ersatz nicht umgesetzt werden konnte.
Um mögliche gesundheitliche Auswirkungen nachvollziehen zu können, müssen Arbeitgeber Expositionsverzeichnisse für Beschäftigte führen, die mit KMR-Stoffen gearbeitet haben. Diese Aufzeichnungen sind in der Regel über viele Jahre aufzubewahren – häufig bis zu 40 Jahre bei Stoffen mit den Gefahrenhinweisen H340 (mutagen) oder H350 (krebserzeugend) und mindestens 5 Jahre bei Stoffen mit H360 (reproduktionstoxisch).
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